Das Rätsel „Pferdemaul“

Den Artikel „Gebisslos vs. Gebiss“ , den ich im letzten Beitrag gepostet habe, wurde auf Facebook bereits fast 12.000 mal gelesen! Das Feedback war ausnahmslos positiv und darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Die Thematik wird immer präsenter und immer mehr Reiter beschäftigen sich auch intensiver damit.

Für diejenigen, die sich genauer über das „Rätsel Pferdemaul“ informieren möchten, können mich gerne anschreiben! Es besteht die Möglichkeit mit mir einen Termin für einen Vortrag über diese Thema zu vereinbaren.

Eine schöne neue Woche 🙂

LG Karolin

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Gebiss vs. Gebisslos

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In den letzten Jahren hat sich die Thematik rund um das Gebiss im Pferdemaul und dem dazu gegensätzlichen gebisslosen Reiten zu einem gern gesehenen Diskussionsthema entwickelt.

Gebisse gibt es mittlerweile in allen Varianten. Einige davon haben mit den traditionellen Wassertrensen oder Kandaren gar nichts mehr zu tun und gehen eher unter dem Begriff “Foltergerät“ durch. Auf diese abartigen Geräte möchte ich aber nicht weiter eingehen, da ich sonst die Grenzen eines sachlichen Artikels überschreiten müsste… Zu den Urhebern und Benutzern dieser „Gebisse“ sei aber gesagt, dass es neben dem Reitsport auch noch viele andere schöne Sportarten gibt.

Doch auch die Zahl der gebisslosen Zäume hat in den letzten Jahren zugenommen. Vom Lederband über der Nase bis zur mechanischen Hackemore, die schon sehr unangenehm aussieht, gibt es viele Möglichkeiten auf das Gebiss zu verzichten.

Aber was ist nun besser für das Pferd?
Ist das Gebisslose Reiten automatisch pferdefreundlicher? Ist jeder Reiter, der mit Gebiss im Pferdemaul reitet gleichzeitig ein Pferdequäler?

Aus Sicht einer Turnierreiterin möchte ich beide Fragen verneinen! Das allerwichtigste bei diesem Thema ist die „führende Zügelhand“! Mit einer harten Hand kann man als Reiter dem Pferd auf beide Weisen Schmerzen zufügen.

Nach pathologischen Studien und verschiedenen Testreihen im Physiklabor wurde festgestellt, dass ein Gebiss verheerende negative Veränderungen am Diastema im Maul des Pferdes hervorrufen kann. An sezierten Pferdeköpfen sind erhebliche Veränderungen an den Knochen – teilweise Risse – festgestellt worden. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie schmerzhaft ein solcher langwieriger, aber stetiger Prozess für das Pferd ist. Nun denken wahrscheinlich die meisten Leser dieses Artikels, dass das auf sie nicht zutrifft, da sie ja mit weicher Hand reiten! Ich möchte wirklich niemanden zu nahe treten, aber weit gefehlt! Bei Testreihen im Physiklabor wurden die Kräfte gemessen, die durch das Gebiss auf die Lade den Unterkiefer des Pferdes einwirken und dazu reicht der geringste Zug am Zügel – leider – schon aus. Wer das nicht glaubt, der möchte sich bitte mal das Gebiss direkt unter die Kniescheibe legen und beiderseits die Zügel so annehmen, wie beim Reiten (vergesst nicht die stetige Verbindung am äußeren Zügel mal etwas länger zu halten)! Man darf nicht vergessen bzw. sollte sich mal darüber informieren, dass das Diastema von winzigen Nervensträngen durchzogen ist, die Hautschicht über dem Knochen nur ganz dünn ist und dieser Bereich der zweitempfindlichste des gesamten Pferdekörpers, nach den Genitalien, ist!

Von den Eigenschaften der verschiedenen Gebisse mal ganz abgesehen, sind die meisten Pferdeköpfe durch die Reithalfter noch wie Verbrecher zugeschnallt. Dadurch ist zu diesem Schmerz im Maul auch noch die Atmung behindert, etc.… Ich wundere mich oft, dass sich viele Reiter nicht was schämen, sondern noch herumprahlen, wenn sie dem „sturen Bock“ das Reithalfter beim Reiten noch ein Loch enger zurren!

Als aktive Dressurreiterin kann und will ich das Reiten mit Gebiss trotz alldem nicht verteufeln, da ich ja keine andere Chance habe, wenn ich nun mal auf Turnieren reiten möchte! Unter diesem Aspekt könnte man sich das zwar nochmal überlegen, aber das ist ein anderes Thema…

Führt man die Zügel weich ohne Zug nach hinten – dass man die Hände nicht zurückziehen und so rückwärts einwirken soll, muss ich hier ja nicht erwähnen -, hält sich der Schaden für das Pferd in Grenzen. Jedes Rupfen, Zerren, etc. löst definitiv Schmerzen aus.
Diese Tatsache ist allerdings auch kein Freifahrtschein für Reiten ohne Gebiss. Man könnte jetzt denken, dass man OHNE automatisch alles richtig macht. Aber auch hier ist das natürlich nicht so, wenn auch die negativen Auswirkungen bei übermäßigem Zügelgebrauch nicht so verheerend sind! Die meisten Zäume wirken hier auf die Pferdenase und auch diese Stelle ist empfindlich, wenn auch nicht so, wie das Diastema! Ein zu starker Zug am Zügel wird hier eher verziehen, als im Pferdemaul. Trotzdem wäre ein „falscher“ Gebraucht des Zügels hier genauso unangenehm bis schmerzhaft für das Pferd.

Als Zertifizierte Fachkompetenz für das gebisslose Reiten mit dem LG – Zaum ist es nicht schwer zu erraten, dass ich ein Fan des Gebisslosen Reitens bin. Aber es ist jedem selbst überlassen, welche Zäumung letztendlich der Favorit ist. Es wäre allerdings sehr schön für die Pferde, wenn jeder Reiter (viele tun es ja bereits) einmal darüber nachdenkt, was man durch die Zügel – egal, ob sie zu einem Gebiss im Pferdemaul oder zu einem anderen Zaum führen – anrichten kann! Ich bin davon überzeugt, dass viele Reiter anders mit den Zügeln umgehen würden, wenn sie mehr über diese Thematik wüssten. Aber da Unwissen nicht vor Schuld schützt, hat jeder Reiter die Pflicht sich zu informieren!
Viel Spaß beim recherchieren 🙂

LG Karolin